Naturschutzreservat MUnté

Kantonales Naturschutzgebiet Munté Süd (KNSG Munté) Cazis

Vielfältige Aufgabenerfüllung durch die Mitglieder des Jägervereins Ausserheinzenberg

 

 

Das KNSG Munté liegt auf der Ebene unterhalb von Cazis; zwischen St. Martinwald und Bahnhof Rodels, angrenzend an den Rheindammweg (Koordinaten S 752 850 / 177 000; N 752 550 / 177 900) Landeigentümer ist der Kantons Graubünden. Das Naturschutzgebiet ist Zeuge einer unglaublichen dynamischen Geschichte der Landschaft am Hinterrhein, die in knapp 200 Jahren von einer Natur- in eine Kulturlandschaft umgewandelt wurde. Wo einst Flussläufe, Kiesbänke und Auenwälder, Standgewässer und Sumpfgebiete vorkamen, finden wir heute Landwirtschaftsflächen, Verkehrswege, Siedlungen und eben ein Naturschutzgebiet, ein letztes Refugium für eine reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt und Rastplatz für Zugvögel in der Kulturlandschaft Domleschg. Das Naturschutzgebiet ist ein herausragendes Beispiel vernetzter Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Interessengruppen zur Förderung der Biodiversität. Dieses Beispiel zeigt, dass Initiative, Bereitschaft zur Zusammenarbeit ,einer gewissen Kompromissbereitschaft sowie Beharrlichkeit und Ausdauer auch solche Projekte verwirklicht und danach auch unterhalten und gepflegt werden können. Die Unterhaltsverantwortung für den Teil süd (8 ha) liegt seit Bestehen beim Jägerverein Ausserheinzenberg!

Entstehung des KNSG Munté

 

Mit viel Engagement und der menschlichen Vernetzung wie Jägervereine, Ornithologen, Naturschützer und verschiedener kantonaler Amtsstellen, um nur ein paar wenige zu nennen, gelang es ein gemeinsames Ziel zu erreichen und die Entstehung des KNSG Munté zu realisieren. Nachdem der Nollakanal als einzige natürliche Wasserzufuhr, vor allem während der Schneeschmelze und Regenfällen, ungehindert "Nollaschlamm" in das Gebiet führte, verlandete das Gebiet Munté soweit, dass nur mehr kleine Flachwasserflächen vorhanden waren. Im Jahre 1976 intervenierten die Jägervereine Ausserheinzenberg und Traversina, der Verein für Vogelschutz Chur sowie Ornithologen und Privatpersonen beim Kanton. Sie machten bei der Kant. Psychiatrischen Klinik Beverin / Gutsbetrieb Realta, beim Amt für Jagd und Fischerei und dem Amt für Natur und Umwelt darauf aufmerksam, dass das Gebiet verlande, und somit seiner Zweckbestimmung nicht mehr dienen könne, woraufhin von der Regierung eine Kommission zur Erhaltung des Gebietes Munté bestimmt wurde. Von da an nahm die Erhaltung des KNSG Munté konkrete Formen an. Es wurde ab St. Martinweiher ein neuer Wasserkanal erstellt und einzelne Abschnitte des Gebietes neu gestaltet. Die Geschichte des „Naturschutz-Reservates“ wird in der Publikation „Reservat Munté ; Entstehungs-geschichte, Artenvielfalt und Pflege“ eingehend dargestellt. Sie zeigt uns, wie die einzelnen „Reservatsteile“ entstanden sind und bildet damit eine wichtige Grundlage für das Verständnis der Situation und für die Festlegung der Pflegemassnahmen.

 

 

Pflegemassnahmen im Naturschutzgebiet Munté

 

Das Naturschutzgebiet Munté zeichnet sich aus durch eine Vielfalt von Lebensräumen. Vom Weiher bis zum Trockenstandort ist fast alles vorhanden. Fast alle diese Lebensräume wären im Urzustand einer Sukzession unterworfen. Das heisst, sie würden unter natürlichen Voraussetzungen einen steten Wandel durchmachen, bis sie ein stabiles Endstadium erreicht haben. Man redet deshalb auch von dynamischen Lebensräumen. Wenn die grossräumige Dynamik fehlt und eine an sich unerwünschte Entwicklung einsetzt, so sind auch in Naturschutzgebieten Unterhalts- und Pflegemassnahmen notwendig. Auf Grund detaillierter Ziele wurde von einer Arbeitsgruppe unter Beizug von Fachleuten für jede von den acht unterschiedlichen Flächen im Schutzgebiet die entsprechenden Pflegemass-nahmen (Pflegeplan) formuliert und werden laufend der Situation angepasst.

 

 

Unter anderem sind dies:

 

Mähen von Schilf und Gras, Freihalten des bezeichneten Wanderweges

 

Entbuschen, freihalten der Ruderalflächen (Kiesböden)

 

angepasste Waldpflege, Heckenpflege

 

Bekämpfung von unerwünschten Pflanzen (Neophyten: Goldruten, Sommerflieder, Japanischer Staudenknöterich, Falsche Akazie, usw.)

 

Sicherstellen des Wasserhaushaltes

 

Einzelne dieser Massnahmen sind laufend (z.B. Sicherstellen des Wasserhaushaltes), andere jährlich (z.B Neophytenbekämpfung zwei Mal) durchzuführen und andere wiederholen sich alle paar Jahre (z.B. Schilf mähen). Die Pflege eines solchen Gebietes ist also eine arbeitsreiche Daueraufgabe. Verantwortlich für die Pflege sind gemäss Regierungsentscheid der Jägerverein Ausserheinzenberg (Abschnitte eins bis fünf, süd nach nord) und die Pro Natura Graubünden (Abschnitte sechs bis acht). Die Arbeiten werden nur teilweise von Bund und Kanton finanziell unterstützt. Die Fronarbeit der Mitglieder des Jägervereins Ausserheinzenberg für die Pflege und den Unterhalt des Natur-schutzgebietes beträgt durchschnittlich im Jahr 400 Mannstunden der Mitglieder des Jägervereins ausserheinzenberg Für bestimmte Arbeiten werden Zivildienstleistende und die Justizvollzugsanstalt Realta eingesetzt. Total Mannstunden also inklusive Leistungen Dritter im 2015 = 1014 Stunden. (Dazu leisten die Mitglieder des Jägervereins Ausserheinzenberg für den Unterhalt weiterer Feuchtbiotope, erstellen von Amphibienstopps, Wiesen mähen, entfernen von Schutzzäunen im Wald, Rehverblendungen, Hirschwechselunterhalt Rhein usw. jährlich im Durchschnitt weitere 700 Stunden.)

 

 Schutzbestimmungen

 

Im 1989 wurde durch die Regierung des Kantons Graubünden das Gebiet des KNSG Munté zur Kantonalen Naturschutzzone erklärt. Gleichzeitig hatte die Regierung die entsprechenden Verbote und Gebote erlassen. Im Schutzgebiet sind sämtliche Veränderungen, Vorkehren und Störungen, die dem Schutzgebiet zu wider laufen untersagt. Ausgenommen sind u.a. natur- und landschafts-schützerische Pflege- und Gestaltungsmassnahmen, Einrichtungen zur Besucherlenkung, sammeln von Tieren und Pflanzen zur Grundlagenbeschaffung für Gestaltungs-massnahmen usw.. Explizit verboten ist das Verlassen des markierten Wanderweges, das freie Laufenlassen von Hunden, das Reiten im Gebiet des KNSG Munté sowie das Pflücken von Pflanzen und störende Einflüsse auf Vögel und Wild.

 

 

Zielsetzung/Zweck des KNSG Munté

 

Biotopvernetzung im Raume Reichenau – Thusis

 

Erhaltung der Biodiversität

 

Rast- und Futterplatz für Zugvögel

 

Brutplatz für verschiedene Vogelarten im speziellen Wasser- und Sumpfvogelarten

 

Untersuchungsgebiet für wissenschaftliche Arbeiten,

 

Ausbildungsgebiet Biologen / Ornithologen / Wanderführer / Schulen

 

Naherholungsgebiet (Markierter Wanderweg)

 

 

Die Bedeutung des Naturschutzgebietes für Pflanzen und Tiere, welche auf solche Standorte angewiesen sind, ist in der insgesamt intensiv genutzten Talebene des Domleschgs sehr gross. Wissenschaftliche Arbeiten haben eine ungeahnte Fülle von Arten ergeben: 303 Pflanzenarten, 29 Libellen- und 46 Tagfalterarten sowie gegen 70 weitere, meist grössere Insektenarten, vier Reptilien- und drei Amphibienarten, 163 Vogelarten, 12 Kleinsäuger (Insektenfresser und Nagetiere) und Marder, Fuchs, Dachs, Reh, Hirsch.

 

Die Vielfalt, welche in diesem Gebiet steckt, wird in der Publikation "Reservat Munté: Entstehungsgeschichte, Artenvielfalt und Pflege" deutlich zum Ausdruck gebracht. Es wird eindrücklich aufgezeigt, dass sich Artenvielfalt und Erhaltung gefährdeter Arten nur durch einen rücksichtsvollen und angepassten Umgang mit der Natur und Landschaft auf der ganzen Fläche ergeben. Wenn der Erhalt des KNSG Munté ein wenig dazu beiträgt, dass das Verständnis für die Belange naturnaher Lebensräume, ihren Arten und ihrer Vernetzung in breiten Bevölkerungskreisen wächst, wäre das die grösste Genugtuung für alle am Projekt und an der Gestaltung des Gebietes beteiligten Personen.